Aus dem Grundsatzprogramm der Arbeiterwohlfahrt:
VII. Unsere Fachlichkeit

5. Einwanderungspolitik und Soziale Arbeit

Deutschland ist ein Einwanderungsland. Wir wollen die gleichberechtigte Teilhabe für eingewanderte Menschen an der Gesellschaft organisieren und fördern Vielfalt. Eine erfolgreiche Einwanderungspolitik verständigt sich mit allen hier lebenden Menschen auf gemeinsame Normen.

Für uns kann sich erfolgreiche Einwanderungspolitik nur am Prinzip der Inklusion ausrichten. Wir werden weiterhin Einwander*innen unterstützen und begleiten sowie Strukturen und Haltungen in der Gesellschaft bekämpfen, die dem Grundrecht eines jeden Menschen auf freie Entfaltung der Persönlichkeit entgegenstehen.

Einwanderungsrecht gestalten

Neben dem Integrationsrecht und dem Asylrecht braucht es ein Einwanderungsrecht, das für Menschen Wege in die Bundesrepublik eröffnet, die Arbeit und ein besseres Leben suchen. Durch ein zukunftsorientiertes Einwanderungsrecht wird auch das Asylrecht geschützt. Die Ausgestaltung des Einwanderungsrechts hat sowohl humanitäre als auch arbeitsmarktpolitische Aspekte zu berücksichtigen.

Inklusion durch gesellschaftliche Teilhabe

Inklusion bezieht sich auf alle Menschen, unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus. Wir treten dafür ein, allen Menschen eine gleichberechtigte Teilhabe an allen Bereichen der Gesellschaft und ihren Institutionen zu eröffnen. Strukturelle Benachteiligung, Diskriminierung sowie Zugangsbarrieren von der politischen bis zur institutionellen Ebene gilt es zu identifizieren und abzubauen.

Migrationssozialarbeit schafft Chancengleichheit

Wir müssen unsere Einwanderungsgesellschaft im Einklang mit den Menschenrechten gestalten. Indem wir bedürfnisorientierte soziale Dienstleistungen für Einwander*innen anbieten, leisten wir einen Beitrag zur Chancengleichheit. Unsere Arbeit entspringt aus der Motivation, die jahrzehntelange Aufteilung in »wir« und »die« in unserer Gesellschaft zu durchbrechen. Wir machen uns stark für Initiativen und migrationsspezifische Maßnahmen, die Einwander*innen an gesellschaftlichen Ressourcen teilhaben lassen.

Mehrsprachigkeit anerkennen und Staatsbürgerschaft öffnen

Vielfalt wertzuschätzen, heißt, das Bildungskapital der Mehrsprachigkeit anzuerkennen und zu fördern. Im Bewusstsein der Leistung der Einwanderungspionier*innen sind wir überzeugt, dass die Einbürgerung unter Mehrstaatlichkeit Vertrauen schafft und das Zugehörigkeitsgefühl zum Land verstärkt. Wir fordern, dass bereits erfolgte Einwanderung wertgeschätzt wird, und setzen uns auf allen Ebenen für ein kommunales Wahlrecht von Ausländer*innen ein.

Eine menschenrechtsbasierte Fluchtund Asylpolitik

Wir treten für eine solidarische nationale wie europäische Politik für Geflüchtete ein, die Respekt vor der Würde und dem Recht geflüchteter Menschen hat. Im Inland, in der Europäischen Union, an deren Außengrenzen und bei der Ausgestaltung der Entwicklungszusammenarbeit müssen die Grund- und Menschenrechte beachtet werden. Auch geflüchtete Menschen haben das Recht auf Familie. Für die Teilhabe an der Gesellschaft ist ein uneingeschränkter Zugang zu Bildung, Ausbildung, Arbeit und zur Gesundheitsversorgung zu ermöglichen. Gesetzlich diskriminierende Bestimmungen sowie Einschränkungen der Mobilität von Geflüchteten sind abzuschaffen.

Bildung und Arbeit als gesellschaftlicher Auftrag

Von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung unserer Einwanderungsgesellschaft sind Gerechtigkeit und Teilhabe an Bildung und Arbeit. Brüche ergeben sich regelmäßig an den Übergängen von einem in den nächsten Bildungsort. Kinder und Jugendliche sind besonders zu unterstützen. Wir fordern eine individuelle Unterstützung beim Zugang zum Arbeitsmarkt. Vor dem Hintergrund der demografischen Veränderung der Gesellschaft ist eine gezielte und systematische Arbeitsmarktpolitik für Einwander*innen eine große Chance.

Rassismus erkennen und bekämpfen

In unserer Einwanderungsgesellschaft muss jede Form von Feindlichkeit, Diskriminierung, Extremismus und Rassismus gegen Menschen und Gruppen bekämpft werden. Als Gesellschaft müssen wir uns mit ausgrenzenden Strukturen und Vorurteilen kritisch auseinandersetzen und diese überwinden. Anderenfalls wird hierdurch Rassismus befördert und verfestigt.

Quelle: Grundsatzprogramm AWO 2019     © AWO Bundesverband e.V.