Aus dem Grundsatzprogramm der Arbeiterwohlfahrt:
VII. Unsere Fachlichkeit

1. Alter und Altern

Wir treten für eine alters- und alternsgerechte Politik ein, die es Menschen bis ins hohe Alter ermöglicht, ihre Potenziale zu entfalten und selbstbestimmt zu leben. Weil sich die Folgen von Armut, prekärer Erwerbsarbeit und Erwerbslosigkeit im Lebensverlauf gerade im Alter zeigen, ist es Aufgabe der Politik, Ungleichheit zu verringern. Uns geht es um ein würdevolles Altern aller Menschen.

Leben im Alter

Viele Menschen sind im Alter alleine. Deshalb fördern wir Gemeinschaft und Austausch. Im Fall von Hilfs- und Pflegebedürftigkeit muss es möglich sein, im vertrauten Umfeld zu bleiben. Dafür braucht es ein Wohnumfeld, das regional, flexibel und bedarfsorientiert ausgestaltet ist. Bürger*innen und lokale Akteure sind einzubeziehen, sektorenübergreifende Kooperationen sind herzustellen. Wir streiten für generationengerechte Infrastrukturen und bezahlbare Wohnangebote.

Für eine solidarische Alterssicherung

Mit dem Erreichen der Regelaltersgrenze und nach einem erfüllten Arbeitsleben hat jede*r das Recht auf eine Rente, mit der sie*er ihr*sein Leben im Alter finanziell unabhängig gestalten kann. Diese Versicherten müssen sich auf eine lebensstandardsichernde Rente verlassen können, die auf lohnorientierten Rentenanpassungen basiert und oberhalb der Grundsicherung liegt. Das kann auch trotz demografischer Veränderungen eine solidarische, beitragsorientierte und dynamische gesetzliche Rentenversicherung leisten. Zudem treten wir für ein verbessertes Niveau der gesetzlichen Rentenversicherung ein. Um auf den bevorstehenden Wandel der Arbeit mit einer gerechten Alterssicherung zu reagieren, sind langfristig alle Erwerbstätigen in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen.

Altersarmut verhindern

Wer im Alter von Armut betroffen ist, hat aus unterschiedlichen Gründen meist Lücken in der Erwerbsbiografie. Zu viele können diese Lücken nicht durch private oder betriebliche Altersvorsorge schließen. Um Altersarmut zu verhindern, braucht es insbesondere eine aktive Arbeitsmarktpolitik sowie eine professionelle Begleitung von Übergängen in Ausbildung und Beruf. Für Geringverdienende fordern wir eine bessere Absicherung bei der Rente und Rentenfreibeträge in der Grundsicherung. Sowohl am Arbeitsmarkt als auch in der Rentenpolitik muss gewährleistet sein, dass insbesondere Frauen vor Altersarmut infolge privater Sorgearbeit besser geschützt werden.

Erwerbsminderungsrente

Erwerbsminderung darf nicht in Armut führen. Wir wollen, dass die Renten im Fall der Erwerbsminderung weiter verbessert werden. Das gilt auch für Menschen, die bereits eine Rente beziehen. Zugleich wissen wir, dass Rehabilitation und individuelle Unterstützung die Chance von Menschen erhöhen, wieder am Arbeitsleben teilzunehmen.

Gesund in den Ruhestand

Wir fordern gute Bedingungen für einen gesunden und flexiblen Eintritt in den Ruhestand: verbesserte Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsbedingungen, Weiterbildung, Gesundheitsförderung in den Betrieben sowie flexible Übergangsmodelle. Eine weitere Heraufsetzung des Renteneintrittsalters lehnen wir ab.

Quelle: Grundsatzprogramm AWO 2019     © AWO Bundesverband e.V.