Aus dem Grundsatzprogramm der Arbeiterwohlfahrt:
VII. Unsere Fachlichkeit

8. Gleichstellung und Frauenpolitik

Seit unserer Gründung streiten wir für eine umfassende Gleichstellung von Frauen und Männern. Unsere Vision ist die Geschlechtergerechtigkeit im Lebensverlauf. Sie ist erst erreicht, wenn alle Menschen frei sind, ihre Lebensentwürfe unabhängig von ihrem Geschlecht und ihrer sexuellen Identität und Orientierung zu verwirklichen. Diese Freiheit beruht auf der gleichen Verteilung von Ressourcen, Einfluss und Wertschätzung.

Frauenpolitik bleibt ein zentraler Bestandteil der Gleichstellungspolitik. Denn nach wie vor sind Frauen in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen benachteiligt. Wir setzen uns für die körperliche, finanzielle und zeitliche Selbstbestimmung von Frauen ein.

Finanzielle Selbstbestimmung von Frauen stärken

Wir fordern eine Politik, die Frauen eine uneingeschränkte Erwerbsbeteiligung ermöglicht. Wir setzen uns für Lohngerechtigkeit ein, die den Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern bei gleicher Qualifikation aufhebt. Deshalb muss ein Entgeltgleichheitsgesetz geschaffen werden. Darüber hinaus sind alle Arbeitsverhältnisse sozialversicherungspflichtig abzusichern sowie rechtliche Vorgaben abzubauen, die eine traditionelle Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern fördern. Die strukturell schlechtere Bezahlung von Berufen, die traditionell mehrheitlich von Frauen ergriffen werden, ist zu beseitigen.

Schutz vor häuslicher Gewalt

Der Schutz vor häuslicher Gewalt ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Das Hilfe- und Unterstützungssystem zum Schutz vor häuslicher Gewalt ist verpflichtend und auskömmlich zu finanzieren. Frauen und deren Kinder, die von Gewalt betroffen sind, brauchen einen Rechtsanspruch auf Schutz und Hilfe. Er darf nicht von Herkunft und gesundheitlicher Befähigung abhängig sein. Darüber hinaus ist eine Debatte zum Thema Gewalt in Verbindung mit gesellschaftlichen Vorstellungen von Männlichkeit speziell in Partnerschaften vonnöten. Ziel ist es, präventive Maßnahmen zu ergreifen.

Gleichstellung als Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit

Geschlechtsspezifische Ungleichbehandlungen, Hierarchien und Unterdrückungsverhältnisse sind abzuschaffen. Alle Menschen sollen unabhängig von Geschlecht und sexueller Identität ihre Bedürfnisse befriedigen, ihre Fähigkeiten entfalten und Sorge für sich und andere tragen können. Wir wirken Diskriminierungen aufgrund von Geschlecht oder Sexualität in Überschneidung mit Herkunft, Bildung, Klasse, Alter, körperlicher Befähigung, Hautfarbe, Religion oder Weltanschauung entgegen.

Sexuelle und körperliche Selbstbestimmung

Menschen sollen ihre Sexualität, ihre Lebens- und Sexualpartner*innen selber bestimmen können. Jede*r soll sich selbstverantwortlich für oder gegen ein Leben mit Kindern entscheiden können. Wir befürworten das Recht auf Abtreibung und das Recht auf uneingeschränkte und freie Aufklärung und Information dazu. Um Menschen auf ihrem Weg zur sexuellen Selbstbestimmung zu unterstützen, braucht es Aufklärung und Information ab frühester Kindheit. Zudem bedarf es eines kostenlosen Zugangs zu Verhütungsmitteln. Das Recht auf körperliche Unversehrtheit beinhaltet das Recht auf Selbstbestimmung des Geschlechts von Inter- und Trans-Personen.

Raum für neue Männlichkeit

Jungen und Männer wollen heute immer weniger alten, stereotypen Rollenbildern entsprechen. Wir treten dafür ein, dass sie in gleichberechtigten Partnerschaften leben sowie für ihre Familie sorgen können und ihre Erwerbsarbeit nicht mehr zum Mittelpunkt ihres Lebens machen müssen. Wir unterstützen Männer, nicht-traditionelle Rollen- und Familienmodelle zu leben.

Quelle: Grundsatzprogramm AWO 2019     © AWO Bundesverband e.V.