Aus dem Grundsatzprogramm der Arbeiterwohlfahrt:
VII. Unsere Fachlichkeit

11. Menschen in besonderen Lebenslagen

Wir sind für Menschen in besonderen Lebenslagen ein Sprachrohr und leisten mit unserer Arbeit praktische Hilfe (zur Selbsthilfe). Mit einem unverstellten Blick auf die Situation dieser Menschen treten wir gegen Auffassungen in der Gesellschaft ein, dass es sich hierbei um Randgruppen, selbst verschuldete Schicksale oder Einzelfälle handelt. In der Schuldnerberatung, der Straffälligen-, Wohnungslosen- und Suchthilfe streiten wir in dem Wissen um die eng miteinander verbundenen Herausforderungen genauso für eine gleichberechtigte Teilhabe in der Gesellschaft wie in unseren Betreuungsvereinen.

Schuldner- und Insolvenzberatung

Wir machen auf die sozialen Auswirkungen von Überschuldung aufmerksam, die Wohnungen, Arbeitsplätze und Beziehungen gefährdet sowie die Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen in überschuldeten Haushalten massiv einschränkt. Wir beraten Menschen über ihre Rechte und Pflichten mit dem Ziel, eine Perspektive für den wirtschaftlichen Neuanfang und ein Leben ohne Schulden zu schaffen. Wir setzen uns für einen freien Zugang zu unabhängigen, kostenlosen und sozialen Schuldnerberatungsangeboten für alle Personen ein, ungeachtet ihrer aktuellen Einkommenssituation.

Straffälligenhilfe

Oberstes Ziel der Straffälligenhilfe ist die Resozialisierung und Eingliederung in die Gesellschaft. Deshalb fordern wir verstärkt Alternativen zum reinen Freiheitsentzug. Ambulante Maßnahmen können soziale Trainingskurse für jugendliche Straffällige sein, um ihre kognitiven Kompetenzen und ihre Sozialfähigkeit zu steigern, oder auch Arbeitsprojekte, in denen Geldstrafen durch gemeinnützige Arbeit abgegolten werden.

Opferhilfe

Der Schutz der Opfer von Straftaten ist für uns eine wichtige Aufgabe. Durch eine Straftat verlieren sie häufig ihre Gesundheit und ihre Lebensgrundlage. Bei dem mühevollen Weg durch die Instanzen sind sie oft auf sich alleine gestellt. Hier sind Hilfen über das normale Maß der sozialen Absicherung notwendig.

Suchthilfe

Unsere Grundhaltung ist geprägt von einem Verständnis der unterschiedlichen persönlichen und sozialen Hintergründe der Menschen sowie der verschiedenen Verläufe und Ausprägungen von Sucht. Unser ehrenamtliches Engagement in vielen Selbsthilfegruppen und -initiativen ist ein Teil der Nachsorge, ohne die eine erfolgreiche Suchthilfearbeit nicht zu leisten ist. Deshalb fördern wir eine enge Kooperation und Vernetzung zwischen ehrenamtlichen Selbsthilfeinitiativen und professionellen Einrichtungen und Diensten.

Wohnungslosennotfallhilfe

Wohnungslosigkeit ist oft das Resultat eines Zusammenspiels individueller und sozialer Aspekte, denen wir mit persönlich abgestimmten Hilfen begegnen. Die Freiheit der*des Einzelnen in der Auswahl und in der Annahme der Hilfeangebote ist zu beachten. Um Wohnungslosigkeit zu verhindern, fordern wir ein stärkeres Engagement von Bund, Ländern und Kommunen im Wohnungsbau.

Betreuungsvereine für ein selbstbestimmtes Leben

Wir setzen uns für ein flächendeckendes, bundesweites Netz an Betreuungsvereinen ein, deren gesetzliche Finanzierung dynamisch an die realen Kosten angepasst wird und damit dauerhaft Strukturen sichert. So sind in Zukunft weiterhin Ehrenamtliche zu gewinnen, fachgerecht zu beraten und fortzubilden. Nur dadurch wird das Engagement vieler Familienangehöriger und Menschen, die sich für die ehrenamtliche Übernahme einer rechtlichen Betreuung interessieren, gefördert und unterstützt.

Quelle: Grundsatzprogramm AWO 2019     © AWO Bundesverband e.V.